Kindergärtnerinnen an Hochschule

Kindergärtnerinnen müssen an Hochschule

Rubrik: Presse
Deutschunterricht schon im Kindergarten - PH-Rektor: „Wissen nicht, wie wir ausbilden sollen“
Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen sollen künftig bereits ein Jahr vor Schulbeginn intensiven Deutschunterricht im Kindergarten bekommen. Die Kindergärtnerinnen werden in die Rolle der Lehrerinnen schlüpfen. Das sehen die Pläne von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) vor.
So wird es heuer bereits im Mai „Sprachstandsfeststellungen“ für die Erstklassler des Schuljahrs 2009/2010 geben. Kinder mit Sprachproblemen müssen ab Herbst 2008 dann ein verpflichtendes Kindergartenjahr absolvieren.
Doch je näher diese Sprachoffensive rückt, desto mehr regt sich Kritik. „Die Politik fordert immer nur“, sagt Maria Zeilinger von der Berufsgruppe der Kindergartenpädagoginnen. Der seit Jahren geforderte Betreuungsschlüssel (zwei Pädagoginnen pro Gruppe) sei noch immer nicht in Sicht, kritisiert Zeilinger. Wenn nicht für die jetzt gewünschte Sprachausbildung zusätzliche Mitarbeiterinnen angestellt würden, sei ein „Aufstand“ programmiert.
Kritiker sprechen von einer „stümperhaften“ Planung durch die Behörden. Und tatsächlich weiß niemand recht, wie das Sprachprogramm an den Kindergärten umgesetzt werden soll.
Grundlage für die Finanzierung ist eine 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, die aber bis heute nicht unterzeichnet ist. Auch was die nötige Ausbildung der Kindergärtnerinnen betrifft, herrscht Verwirrung. Die Pädagogische Hochschule (PH) in Salzburg hat zwar eigens ein Kursprogramm ausgearbeitet. „Wir wissen aber nicht, wie lang und intensiv wir die Kindergartenpädagoginnen ausbilden sollen“, sagt PH-Rektor Josef Sampl. „Wir wissen auch nicht, wie viel der Kurs kosten darf.“
Abgesehen davon wäre es besser gewesen, ausgebildete Junglehrer mit dem Lehramtsabschluss „Interkulturelles Lernen“ einzusetzen. Diese seien nicht nur besser ausgebildet. „Sie wären auch froh, wenn sie eine Anstellung bekommen würden.“
Salzburger Nachrichten, Lokalteil, 28. Jänner 2008

Druckbare Version
Presse